Aufstieg und Fall eines Reichspolitikers
Einst hatte der sächsische Amtmann Hans von Dehn-Rothfelser (um 1500-1561) die Grundherrschaft Schönfeld von Kurfürst Moritz von Sachsen erhalten. Doch schon 1568, nur wenige Jahre nach seinem Tod, sahen sich seine Söhne Hans und Moritz von Dehn gezwungen, die ihnen in der väterlichen Erbteilung zugefallenen Dörfer Schönfeld, Schullwitz, Reitzendorf, Zaschendorf, Malschendorf und Ullersdorf an den kursächsischen Rat Dr. Georg Cracow (1525-1575) zu verkaufen, „weil sie mit Schulden beladen, von den Gläubigern bedrängt und dieselben sonst zu befriedigen nicht gewusst“. Am 12. Oktober desselben Jahres erhielt er vom Kurfürsten August (1526/reg. 1553-1586) den Lehnbrief über die erworbenen Ländereien. Damit erhielt er auch ein Recht auf Abgaben und Dienste der ortsansässigen Bauern.
Cracow, seines Zeichens Jurist und früher Professor an der Universität in Wittenberg, war ab Mitte der 1560er Jahre zu einer Art „Premierminister“ aufgestiegen. Mit ihm beginnt die eigentliche Geschichte des Renaissanceschlosses Schönfeld, das nun in etwa vierjähriger Bauzeit (wohl 1573-77) errichtet wurde.
Doch seine steile Karriere endete abrupt, als er 1574 in Verdacht geriet, er habe in Kursachsen heimlich den Calvinismus einführen wollen (Kryptocalvinismus). Die Vorwürfe kosteten den „dicken Doktor“ sein Amt – und schließlich sein Leben. Er wurde verhaftet und als Gefangener auf die Leipziger Pleißenburg gebracht, wo er am 17. März 1575 an den Folgen der Haftbedingungen und der Folter verstarb. Die Fertigstellung seines Schlosses Schönfeld erlebte er nicht mehr.
Von Tyrannen…
In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Schloss ganze 14 mal seine Besitzer. Einer von ihnen, der Reichspfennigmeister Joachim von Loß (1576-1633) blieb seinen Untertanen als besonders strenger Grundherr in Erinnerung. Noch heute treibt der „böse Loß“, der Sage nach, um Mitternacht in Gestalt eines großen, schwarzen Hundes sein Unwesen. Da er keine Söhne hinterließ, wurden seine Güter unter seinen Töchtern aufgeteilt. Die jüngste, Ursula von Loß, erbte Schönfeld und Jessen. Sie starb jedoch bereits im Juli 1644. In ihren Testamenten hatte sie ihren Ehemann, den Geheimen Rat Heinrich Freiherrn von Friesen (1610-1680), zum Universalerben bestimmt.
…und Königskindern
Ein ganz besonderer Tag in der Familiengeschichte wurde der 3. Juni 1725. An diesem Sonntag heiratete Heinrich Friedrich Graf von Friesen (1681-1739) – ein Enkel Heinrichs – in Pillnitz Augusta Constantia Gräfin von Cosel (*1708), legitimierte natürliche Tochter Augusts des Starken mit seiner Mätresse Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel. Die sich anschließenden Feierlichkeiten hielten drei Wochen an. Doch die Ehe, die so glanzvoll begonnen hatte, währte nicht einmal drei Jahre. Seine bildschöne junge Gemahlin starb, laut dem Schönfelder Kirchenbuch, 1728 „den 3. Febr. nachts nach 10 Uhr zu Dresden an der Blatterkrankheit“ (Pocken) „und ward am 5. ejusd. früh zwischen 8 und 9 Uhr zur Einsendung in die hochgräfl. Gruft“ der Schönfelder Kirche gebracht. Sie war gerade 20 Jahre alt geworden.
Schatullen- und Kammergut
Auch ihrem Sohn August Heinrich, geboren 1727, erging es nicht besser. Er starb am 29. März 1755 an den Masern. Mit seinem Tod erlosch die gräfliche (Schönfelder) Linie der Familie von Friesen. Es entbrannte ein erbitterter Erbstreit, der über mehr als drei Jahrzehnte andauern sollte. Er wurde erst beigelegt, als Kurfürst Friedrich August III. die Herrschaft Schönfeld aus seiner Privatschatulle kaufte – fortan in den Akten als „Schatullengut“ bezeichnet. 1831 wurde es staatlich und vom Finanzministerium, der Kammer, verwaltet. Das nunmehr staatliche Schloss fand seine Verwendung als Gerichtsamt. Dieses wurde jedoch 1873 aufgelöst, das Gut wiederum in Privatbesitz verkauft. Neuer Schlossherr wurde der Bankier Bernhard Gutmann. Einer seiner Söhne, Eugen Gutmann, gründete 1872 die Aktiengesellschaft Dresdner Bank. Das Schloss erbte später ein weiterer Sohn, Alfred Gutmann. Die neuen Eigentümer haben im Schloss sichtbare Spuren hinterlassen. So geht die Gestaltung des „Jagdzimmers“ und des sog. „Trinkerstübchens“ auf sie zurück.
Mit der Enteignung der letzten Besitzerin 1945 im Zuge der „Bodenreform“ zogen u.a. eine Kartonagenfabrik, Wohn-, und Schulräume, ein Landkino und die Schulkantine ein.
Schloss Schönfeld wird „DEUTSCHLANDs ZAUBERSCHLOSS“
Die Gemeinde Schönfeld, seit 1992 wieder Eigentümerin des Schlosses, begann den Kampf gegen den Verfall. In den folgenden Jahren wurde u.a. das Dach saniert, Putz und Farbanstrich erneuert. Zur Finanzierung trugen auch Benefizkonzerte bei, die seit 1994 im Schloss gespielt wurden.
Doch wie erfüllt man ein altes Gemäuer mit neuem Leben? Diese Frage stellte sich auch die Stadt Dresden, die mit der Eingemeindung von Schönfeld-Weißig 1999 auch das Schloss und die weiteren Sanierungsarbeiten übernahm. Die Antwort fand sich – endlich – im Dezember 2004 mit einem einzigartigen Nutzungskonzept von Karl-Heinz Kaiser: Im historischen Ambiente fand stilvolle Zauberkunst ein Zuhause. Die Mitglieder des eigens als Rechtsträger gegründeten Kunst- und Kulturvereins Schloss Schönfeld e.V. und ehrenamtlichen „Schlossgeister“ kümmern sich liebevoll um die Durchführung der Veranstaltungen. Auf drei begehbaren Etagen werden Requisiten berühmter Zauberkünstler gezeigt. Daneben vermittelt die Ausstellung Wissenswertes zur Schlossgeschichte.
Auf diese Weise gelang es nicht nur, das Schloss als ein Stück regionaler Identität zu bewahren. „Schönfelds“ gibt es in Deutschland zuhauf. Aber ein Schönfeld mit Zauberschloss – das gibt es nur einmal auf der Welt.
Die Schlosshistoriker
Die 2023 wieder ins Leben gerufene Historikergruppe des Schlosses hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese 450-jährige Geschichte des Renaissanceschlosses Schönfeld zu erforschen und für künftige Generationen zu dokumentieren. Korrektes historisches Arbeiten ist unser Anspruch. Archive müssen durchforstet, Zeitzeugen befragt, Unterlagen und Objekte zur Schlossgeschichte gesammelt und aufbereitet werden. Einen besonderen Einblick in diese Arbeit konnten auch die insgesamt 630 Besucher beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals gewinnen. Neben Vorträgen zur Schlossgeschichte mit anschließender Führung waren einige unserer historischen Quellen ausgestellt.
Für dieses große Interesse an „unserem“ Schloss sind wir unglaublich dankbar und freuen uns schon auf das nächste Jahr!
Sie sind historisch interessiert und möchten uns bei unserer Forschung unterstützen? Oder Sie haben persönliche Erinnerungen, die Sie mit Schloss Schönfeld verbinden? Dann seien Sie herzlich eingeladen!
Anmerkung: Die Quellen zum Artikel können unter den angegebenen Kontaktdaten erfragt werden.
Historikergruppe Renaissanceschloss Schönfeld
c/o Kunst- und Kulturverein Schloss Schönfeld e.V.
Am Schloß 2
01328 Dresden
Mail: info@DasZauberschloss.de
Internet: www.daszauberschloss.de
Telefon: 0173 3757518
Ansprechpartner: Gerrit Schulze
Vereinstreffen: jeden zweiten Mittwoch im Monat um 18.00 Uhr im Schloss
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