Die Sanierung des Grabmals der Familie Hickmann in Langebrück – Bewahrung von Geschichte und Erinnerung

Mit der abgeschlossenen Sanierung des Grabmals der Familie Hickmann auf dem Friedhof in Dresden-Langebrück geht eine mehrjährige Initiative zu Ende, die der Bewahrung eines bedeutenden kulturhistorischen Denkmals und dem Gedenken zweier prägender Persönlichkeiten der sächsischen Geschichte gewidmet war. Das Projekt vereint lokale Verantwortung, historisches Bewusstsein und die Achtung vor handwerklicher Tradition.

 

Zwei Generationen – zwei Lebenswerke

In der Grabstätte ruhen neben vier anderen Familienmitgliedern der Kirchenrat Pfarrer Hugo Woldemar Hickmann (1841–1922) und sein Sohn Prof. D. Christoph Matthias Hugo Hickmann (1877–1955), Probst des Hochstiftes Meißen und Mitbegründer der sächsischen CDU nach dem Zweiten Weltkrieg. Beide prägten in ihren jeweiligen Lebensbereichen Kirche, Gesellschaft und Politik.

Pfarrer Hugo Woldemar Hickmann gründete 1875 in Augustusbad bei Radeberg das erste Kindererholungsheim Deutschlands – ein Pionierwerk sozialer Verantwortung, das beispielhaft für die diakonische Bewegung seiner Zeit steht. Bei einer Erholungsreise 1843  in Augustusbad wohnte er im „Berghaus“ und es entstand sofort die Idee, hier für die Stadtkinder, die in dunklen Hinterhöfen aufwuchsen, eine Platz an frischer Landluft zu schaffen. Im Jahr 1875 wurde das nun Bethlehemstift genannte Haus eröffnet. Es konnten zunächst monatlich sieben bis acht kränkliche Kinder aufgenommen werden. Träger war der Landesverein der Inneren Mission, der mit Ankäufen von Nachbargrundstück und Anmietungen des Luisenhofes ab 1884 jährlich bis zu 350 Kinder aufnehmen konnten. Mehrfach erweitert, wurde es zu Beginn des 20.Jahrhunderts eine Heilstätte für herzkranke Kinder und 1945 erfolgte eine erzwungene Schließung. Es war Vorbild für weitere Kindererholungsheim durch das Bethlehemstift.


Sein Sohn Hugo Hickmann wiederum setzte sich nach 1945 für die geistige und politische Erneuerung Sachsens ein. Als Vorsitzender der CDU Sachsen von 1945 bis 1950 und Vizepräsident des Sächsischen von 1946 bis 1950 Landtages war er eine herausragende Persönlichkeit der frühen Nachkriegszeit. Hugo Hickmann war zeit seines Lebens ein engagierter Parlamentarier und insgesamt 15 Jahre Mitglied des Sächsischen Landtages und davon zu einem großen Teil auch Mitglied des Präsidiums. Nach 1945 engagierte er sich maßgeblich für die deutsche Einheit und freie Wahlen in Sachsen und ganz Deutschland. Dabei galt sein Streben der Vermittlung zwischen der katholischen und evangelischen Kirche, der Ökumene.

Beiden Persönlichkeiten ist in Langebrück eine Straße gewidmet – ein sichtbares Zeichen bleibender Wertschätzung.

 

Ein Grabmal als Zeugnis von Zeitgeschichte und Kunst

Die als Wandstelle Nord 46–48 registrierte Grabanlage diente der Familie Hickmann als letzte Ruhestätte. Vermutlich wurde sie 1914 anlässlich des Todes des Malers Werner Hickmann errichtet. Das dominante Kreuz aus dunklem Muschelkalk mit Blumenkranz steht vor einer hellen Sandsteinwand aus Cottaer und Reinhardtsdorfer Elbsandstein – ein typisches Werk der Reformarchitektur der Jahre um 1900. Durch die Kontraste der Materialien und die kunstvoll gearbeiteten Inschriften entsteht ein lebendiges, zugleich stilles Denkmal christlicher Hoffnung.

Die Inschriften, in handwerklich variierter Jugendstiltypografie gearbeitet, erzählen vom Leben und Glauben der hier Bestatteten. Über allem erhebt sich das Kreuz – Sinnbild der Auferstehung und der bleibenden Verbindung zwischen den Generationen.

 

Der Weg zur Restaurierung

Im Oktober 2020 wies Dr. Eckhard Koch, Langebrück darauf hin, dass sich die Grabstätte in einem bedenklichen Zustand befand. Dies war der Beginn eines Projekts, das ich als Architektin über mehrere Jahre hinweg von Planung, Genehmigung, Ausführung und Finanzierungsanträge begleiteten durfte.

2022 wurden schließlich durch die Genehmigung durch die Kirchgemeinde Langebrück und die denkmalrechtlichen Genehmigungen durch die Untere Denkmalbehörde Dresden erteilt. Die Finanzierung gelang dank der Unterstützung des Ortschaftsrates Langebrück, der die notwendigen Eigenmittel bereitstellte, sowie der Beantragung von PMO-Mitteln durch Christian Hartmann, Ortsvorsteher von Langebrück und Landtagsabgeordneter des Sächsischen Landtags. PMO-Mittel sind finanzielle Mittel, die aus dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR stammen. An diesem Projekt war das ein sinnvoller Einsatz dieser Mittel, sah sich doch Hugo Hickmann nach Ende des zweiten Weltkrieges großen Drangsalierungen seiner Person und seiner Arbeit ausgesetzt.

Mit der fachgerechten Restaurierung wurde die Steinmetzwerkstatt Goral-Partner GbR aus Freiberg beauftragt. Unter Begleitung von Dr. Ulrich Hübner vom Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden wurden stark geschädigte Inschriftenplatten ersetzt, Rahmungen ergänzt und Oberflächen behutsam konserviert.
Die neuen Platten aus Reinhardtsdorfer Elbsandstein wurden nach historischem Vorbild gefertigt. Die Inschriften entstanden erneut in traditioneller V-Nut-Technik – von Hand gehauen, mit Graphit nachgezeichnet und in ihrer ursprünglichen Gestalt bewahrt.

Die feierliche Neueinweihung fand am 03.09.2025 in der Friedhofskapelle unter Anwesenheit des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer MdL, dem Ortsvorstehern Christian Hartmann MdL, Mitgliedern der Kirchgemeinde Langebrück und weiteren Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens statt. Die Andacht und die Segnung werden durch Superintendent im Ruhestand Hesse vollzogen. 

 

Dank

Mein besonderer Dank gilt der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Langebrück und Pfarrerin Christiane Rau, die als Eigentümerin und Antragstellerin der Fördermittel das Projekt getragen und begleitet hat, sowie dem Ortschaftsrat Langebrück und dem Ortsvorsteher Christian Hartmann, der mit der Bereitstellung der Eigenmittel die Durchführung erst ermöglicht hat.

 

Ein Ort der Erinnerung – ein Ort zum Besuchen

Die sanierte Grabstätte der Familie Hickmann auf dem Friedhof Langebrück (Kirchstraße 46, 01465 Dresden-Langebrück, an der nördlichen Friedhofsmauer neben der ehemaligen Pfarrscheune) lädt heute zum stillen Gedenken und zum Nachdenken über Verantwortung und Glauben ein.
Ebenso erinnert das von Pfarrer Hugo Woldemar Hickmann gegründete Kindererholungsheim Augustusbad (Augustusbad 1, 01454 Radeberg) an den Ursprung sozialer Fürsorge in Sachsen.
Beide Orte sind Teil unserer regionalen Geschichte – und einen Besuch wert.

Zum Abschluss sei der Bibelvers zitiert, der auf dem Grabstein von Prof. Dr. Hugo Hickmann eingraviert ist:

Hebräer 13, Vers 14:
„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Dieser Vers ist Mahnung und Hoffnung zugleich: Das, was Menschen mit Überzeugung, Glauben und Gemeinsinn geschaffen haben, lebt in unserer Erinnerung weiter.

 

Einladung zum Gedenken an Hugo Hickmann

Am 01.04.2026 lädt der heutige Landtagspräsident Alexander Dierks um 18:00 Uhr zu einem Gedenken an der Grabstätte von Hugo Hickmann ein. Diese Veranstaltung ist Ausdruck der Würdigung des mutigen Wirkens von Hugo Hickmann, der als stellvertretender Landtagspräsident Sachsens in schwierigen Zeiten Verantwortung übernahm und für seine Überzeugungen eintrat.

Im Anschluss, um 19:00 Uhr, findet im Bürgerhaus Langebrück ein Vortrag von Dr. Oliver Salten (Konrad-Adenauer-Stiftung) über das Leben und Wirken Hugo Hickmanns statt.

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an diesem Abend des Erinnerns und der historischen Einordnung teilzunehmen.

 

Bettina Kempe-Gebert

Stellv. Chefredakteurin Klotzscher Heideblatt

Tel. 0172/ 352 83 95

Mail: bettina.kempe@gmail.com

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