Wenn Arthur Schneider wüsste, was für eine Geschichte sein Friseursalon im Laufe eines ganzen Jahrhunderts durchleben würde – er wäre bestimmt stolz auf sein Unternehmen und auf das, was seine Nachfahren daraus gemacht haben.
Was viele nicht wissen: Die Geschichte vom Salon Schneider beginnt gar nicht in der Königsbrücker Landstraße 66, sondern der 66b. Dort haben Arthur und Elisabeth Schneider ihren Friseursalon gegründet, 1926 in Klotzsche, welches damals nur 6400 Einwohner hatte. Der Salon verfügte damals lediglich über drei Plätze, ausschließlich für Damen. Man hatte sogar schon ein Telefon und eine nur dreistellige Telefonnummer. Schon nach zwei Jahren zeigte sich der erste Erfolg: Der Salon wurde räumlich erweitert, erst auf fünf, dann auf sechs Plätze, später auf neun. Es wurden neue Mitarbeiterinnen angestellt und nun wurden auch Herren bedient.
Ein Meilenstein folgte 1934 mit dem Umzug in die Königsbrücker Landstraße 66. Die Einrichtung folgte den damaligen Trends: Die Damen, die für eine Dauerwelle oder Lockwelle kamen, waren neugierigen Blicken von der Straße ausgesetzt und genierten sich der vielen Wickler im Haar, also wurden Kabinen für sie eingerichtet. Im Keller wurden zudem zwei Bäder zur Miete eingebaut – ein wertvoller Service in einer Zeit, in der viele Wohnungen noch keine Badewannen besaßen.
Die Jahre des Zweiten Weltkriegs stellten den Betrieb vor große Herausforderungen. Bei vielen Kunden war das Geld knapp und sich eine prachtvolle Frisur zu gönnen, während der Ehemann an der Front war, das war manch einer Frau auch unangenehm. Trotz aller Entbehrungen blieb der Salon geöffnet. Bald stiegen auch die beiden Töchter Christine und Sigrid mit ins elterliche Unternehmen ein und Christine übernimmt nach erfolgreicher Meisterprüfung das Unternehmen.
Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau, doch während der Währungsreform war für viele Kunden Sparsamkeit angesagt. In den Zeiten der DDR musste auch mal improvisiert werden, weil nicht alle Mittel immer verfügbar waren – wenn es mal an Haarspray fehlte, dann konnte man die Haare auch mit Zuckerwasser fixieren oder Bier als Haarfestiger nehmen. Wenn die Kohlen für das warme Wasser ausgingen, dann hat man dafür einen Tauchsieder genommen. Badekappen konnten eine fehlende Strähnchenhaube ersetzen und die Strähnchen wurden mit der Häkelnadel herausgezogen. 1990 übernahm Ute Däbritz das Unternehmen, die Enkelin vom Gründer Arthur Schneider.
Mit dem Ende der DDR wurde der Salon, wie so vieles andere auch, gründlich überholt und modernisiert. Die Trennung zwischen Herren und Damen wurde aufgehoben und die alte Holzeinrichtung durch funktionale und farbige Möbel ersetzt.
Im 21. Jahrhundert heißt es immer mehr, mit der Zeit zu gehen: Weiterbildungen, um wechselnde Trends aufzugreifen, dazu eine Internetpräsenz, neue Azubis, neue Produkte und neue Ideen für Dekorationen. Die Einrichtung wird erneuert, um heller und offener zu wirken. Im Jahr 2024 übernimmt Stephanie Däbritz das Geschäft, die nicht nur als Friseurin ausgebildet ist, sondern auch schon als Maskenbildnerin und Perückenmacherin für Film und Fernsehen gearbeitet hat. Nun ist der Salon ein Familienbetrieb in vierter Generation und manche Mitarbeiter sind schon 40 Jahre mit dabei. Viele Auszubildende haben im Laufe der Jahrzehnte ihr Handwerk im Salon gelernt. Mittlerweile gibt es Stammkunden, die in dritter und vierter Generation kommen – wo früher sich die Damen von Arthur Schneider bedienen ließen, so lassen sich jetzt deren Enkel und Urenkel die Haare von Arthur Schneiders Urenkelin und ihrem Team schneiden und färben.
Die neue Inhaberin betont, dass ein Friseursalon nicht nur ein Handwerksbetrieb ist, der die Menschen besser, gepflegter und zeitgemäß aussehen lässt, sondern er ist auch ein Treffpunkt, ein Raum für Gespräche und Entspannung. Das war und ist hier immer wichtig: Beim Friseur muss auch das Persönliche stimmen. Man muss seinem Friseur oder seiner Friseurin vertrauen können, sich gut beraten fühlen. Haare sollen nicht nur schön und gesund aussehen, sondern auch individuell und ausdrucksstark. Nur so kann ein Geschäft auch ein ganzes Jahrhundert voller Umbrüche überstehen. Ein Jahrhundert Haargeschichte – geschrieben mit Kamm, Schere und Leidenschaft.
Der Salon Schneider feiert am 12. Juni 2026 sein 100-jähriges Jubiläum. Ab 17:00 wird in den Räumlichkeiten des Salons gefeiert und alle Kunden, Kollegen, Klotzscher, alle Freunde und Interessierte sind herzlich eingeladen.
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