Klotzsche wurde um 1900 wie andere Orte im Umfeld des damaligen Stadtgebiets von Dresden zu einer stark aufstrebenden Gemeinde. Neue Areale wie Klotzsche-Königswald mit seinen Villen und Bürgerhäusern entwickelten sich und zogen Neubürger an, darunter auch viele Künstler.
Bereits ab 1914 lebte die Kinderbuchillustratorin Gertrud Caspari in dieser Gemeinde, auf der Königsbrücker Landstraße. Schon 1909 waren die Schenkels – Mutter und zwei Töchter, Johanna und Franziska – in die Auenstraße 3, die heutige Casparistraße, gezogen. Franziska Schenkel (1880 -1945), die eine Zeit lang bei Caspari als Hilfszeichnerin gearbeitet hatte, wirkte fortan selbständig als Illustratorin. Sie gehörte zu Lebzeiten wohl durchaus zu den anerkannten Persönlichkeiten dieser Sparte.
Lange wusste man – gerade in Klotzsche bzw. Dresden – allerdings fast nichts mehr von dieser Künstlerin, was sicher auch einer speziellen familiengeschichtlichen Situation geschuldet war: Franziska Schenkel hatte wie ihre Schwester Johanna, mit der sie lebenslang zusammen wohnte, keine Nachkommen. Und beider Tod fiel in den Herbst 1945, eine Zeit großer Instabilität, Not und auch Willkür, in der sich kaum jemand für das Schicksal anderer interessierte, schon gar nicht zweier alter, kranker Frauen, die auch keine weiteren Geschwister hatten.
So ist viel Zeit vergangen, bis in Klotzsche das Schaffen und die Person Franziska Schenkels wieder in den Fokus rückten. Dem ging, wohl begünstigt durch die Veränderungen nach 1989, die Würdigung Gertrud Casparis voraus. So wurde die Auenstraße 1954 in Gertrud – Caspari-Straße umbenannt und am einstigen Wohnhaus Casparis auf der Königsbrücker Landstraße 1998 eine Gedenktafel angebracht. Schließlich organisierte der Klotzscher Galerist Manto Sillack gemeinsam mit dem Klotzscher Verein e.V. 2018 im Gemeindehaus „Alte Post“ eine Ausstellung zu Ihrem Schaffen.
So entstand im Verein und den diesem verbundenen örtlichen Historikern die Idee, sich der anderen, einst hier beheimateten Illustratorin zu widmen.
Grundlegendes zu Franziska Schenkel hat Sigrun Jäschke erarbeitet, 2020 als mehrseitiger Artikel veröffentlicht in den „Sächsischen Heimatblättern“. (1) Verständlicherweise – dies steht auch im Zusammenhang mit der aufwändigen Quellensuche – ist manches offen geblieben. Hier setzt nun die aktuelle Fortsetzung der Aufgabenstellung des Klotzscher Vereins an, müsste doch beispielsweise noch einiges bezüglich der Lebensumstände und Netzwerke der Künstlerin erschlossen werden.
Dieser Artikel ist somit mit der Hoffnung verbunden, dass möglicherweise in alteingesessenen Familien in Klotzsche noch manches Wissen oder auch Materialien existieren, die vielleicht bisher als unbedeutend angesehen wurden oder überhaupt unbeachtet irgendwo abgelegt sind. Es hat sich bei der Weiterarbeit gezeigt, dass besonders das Leben von Franziska und Johanna Schenkel – die Mutter war 1917 verstorben – mögliche Bekannten- und Freundeskreise, vor allem in den 20er/30er Jahren, weitgehend im Dunklen liegen. Bekannt ist etwa, dass Franziska Schenkel mit dem Klotzscher Musiker Erhard Pupke zusammen arbeitete und einige Lieder für von ihr illustrierte Kinderbücher schuf. Vielleicht gibt es ja in Klotzsche noch Menschen, die ihn kannten? Von Interesse wäre auch, ob Erzählungen virulent sind über Menschen, die bis zuletzt Kontakt zu den Schwestern hatten, die etwa im Herbst 1945 ihre Einweisung in die Krankenhäuser veranlassten.
Die Autorin und Manto Sillack als „Spiritus Rector“ des ganzen Projekts würden sich über Wortmeldungen freuen, die möglicherweise etwas zur Realisierung unseres Anliegens beitragen könnten. Eine Bilanz der bisherigen Arbeit wird die für den Herbst geplante Ausstellung zur Kinderbuchillustratorin Franziska Schenkel ziehen. Sie wird am 2. Oktober 2026 im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in der Casparistraße eröffnet. Zu sehen sind Bücher und Ansichtskarten, die von Franziska Schenkel illustriert wurden. Ebenso werden sich die Besucher mit den Stationen ihres Lebens und Schaffens vertraut machen können.
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