Wer es liebt, in Bücherregalen zu stöbern, dort interessante Entdeckungen zu machen und neue Lektüre-Inspirationen zu bekommen, der war beim Bücherbasar der 7. Klotzscher Literaturwoche genau richtig. Vom 12. bis 18. April 2026 fand im evangelischen Gemeindehaus Alte Post die Literaturwoche statt, bei der die Besucher nicht nur aus einem breiten Bücher-Sortiment auswählen, sondern sie auch am umfangreichen literarischen Programm teilnehmen konnten.
Wie schon bei den vergangenen Literaturwochen war für alle Generationen etwas dabei: an Vormittagen waren Schul- und Hortkinder eingeladen, eine Erzählstunde zu erleben und sich etwas aus den gut bestückten Bücherkisten mit Kinder- und Jugendliteratur auszusuchen. Das Nachmittags- und Abendprogramm bot Jugendlichen und Erwachsenen Gelegenheit, namhafte Autoren und Redner bei Lesungen und Vorträgen zu erleben.
Die Klotzscher hatten eifrig Bücher gespendet. Das Helfer-Team konnte in knapp einer Woche in drei großen Räumen eine „Buchhandlung“ aufbauen, fein sortiert nach den Genres Krimis und Belletristik, Kinder- und Jugendbücher, Reiseführer, Kochbücher, Kunstbände, Sachbücher zu Geschichte, Politik, Religion und Musik. Dazu kam eine große Auswahl an fremdsprachiger Literatur. Dieses Angebot wurde während der Literaturwoche sehr gut angenommen: viele Besucher folgten der Einladung, sich neuen Lese-Stoff mitzunehmen und die Spendenbereitschaft war erfreulich hoch. Dank dieser Spenden können im Gemeindehaus weiterhin Kulturveranstaltungen stattfinden und auch die kommende Literaturwoche wird dadurch finanziert werden.
Unter dem Motto „Vom Ich zum Du – und Wir?“ fanden während der ganzen Woche Nachmittags- und Abendveranstaltungen statt. Hier ging es um das Eigenverständnis und die Rolle des Ichs in Gemeinschaften, um Beziehungsgeflechte und die Fragen, was uns von anderen trennt und was uns eint.
Nach einem Literaturgottesdienst am Sonntagvormittag und der Eröffnung des Bücherbasars im Anschluss machten junge und ältere Autorinnen und Autoren den Auftakt, die im Rahmen des Formats „Der Dresdner Norden schreibt und liest“ in einer breiten Vielfalt eigene Texte vorstellten – sowohl Prosa als auch Lyrik. Am Nachmittag folgte eine Lesung von Amina Padda aus ihrem sehr bewegenden Jugendroman über Migration, Freundschaft und den Mut, sichtbar und man selbst zu sein. Am Abend hielt dann Dr. Justus Ulbricht einen Vortrag über die Erfindung des Ichs in der Aufklärung und die Singularisierung in unserer spätmodernen Gesellschaft.
Eine schöne Tradition ist das Literarische Quartett am Montagabend. Hier unterhielten sich Undine Materni, Roman Rabe, Thomas Meyer und Jayne-Ann Igel über vier ausgewählte Romane. Es war interessant zu erleben, welch unterschiedliche Eindrücke Bücher auslösen können, und wie differenziert die Meinungen und Urteile dargestellt wurden.
Dass das Erzählen eine hohe Kunst ist, bewiesen die beiden Mitglieder vom „Erzählraum e. V.“, die am Dienstagabend dem Publikum Märchen und Anekdoten zu dem Thema zum Besten gaben.
Besonders eindrücklich war die Lesung der Dresdner Autorin Eva Kranenburg aus ihrem Jugendroman „Freunde“. Dieser war kurz zuvor bereits mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet worden. Er handelt von der Unmenschlichkeit des Krieges und der gelebten Gemeinschaft der Kinder und liest es sich als ein großes Plädoyer für Menschlichkeit. Eine unbedingte Empfehlung!
Thomas Podhostnik las am Mittwochabend aus seinem Roman „Dear Mr. Saunders“, der wiederum durch eine Lektüre angeregt worden war. Der Autor schilderte im Gespräch mit Jayne-Ann Igel anschaulich seine Lektüreerfahrungen und den Arbeitsprozess an seinen Texten.
Zur langen Nacht der Autoren konnten wir in diesem Jahr Silvio Colditz, Iryna Fingerova, Christine Ruby, Volker Sielaff und Anna Zepnick begrüßen. Sie lasen vor großem und aufmerksamem Publikum aus ihren neuen Büchern und Texten. Die Musik von Anna Zepnick begeisterte die Zuhörer und erlaubte einen Einblick in das Schaffen der vielseitigen Künstlerin.
Zum Abschluss der Lesungen erreichte uns eine „Flaschenpost aus Hamburg“ wohl befüllt vom Jenenser Sprechsteller und vielmaligem Gast der Literaturwoche Martin Stiebert. Poesie und Prosa aus Dresdens Partnerstadt wurde zu Gehör gebracht und vom Klotzscher Musiker Heinrich Opitz am Flügel begleitet.
Während der Literaturwoche (und noch Wochen danach) war in den Räumen des Gemeindehauses die Fotoausstellung von Christoph Reichelt und Jayne-Ann Igel zu sehen; auch hier ging es in einem fotografischen Dialog um die Erkundung der Beziehungen von Ich, Du und Wir in Alltagssituationen.
Die Literaturwoche konnte nur gelingen, weil so viele mit ihren Bücher- und Geldspenden, mit ihrer Zeit, Kraft und ihren Ideen dazu beigetragen haben. Dieses Engagement ist alles andere als gewöhnlich, das schafft Literatur, in der Vielgestaltigkeit der Stimmen das „Wir“ zu leben.
Dafür nochmals herzlichen Dank!
Die nächste Klotzscher Literaturwoche wird wieder in zwei Jahren in der zweiten Woche nach Ostern stattfinden. Das Team freut sich über jeden, der sich in der Vorbereitung, der Organisation und der Durchführung engagieren möchte! Kontakt: kontakt-literatur@kirchgemeinde-klotzsche.de
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