Die Seite ist umgeblättert: Der Bücherwurm Klotzsche schloss nach mehr als zwei Jahrzehnten

Laut Statistischem Bundesamt schloss  jede vierte Buchhandlung in den letzten sieben Jahren. Damit ist die Zahl der Buchläden in Deutschland auf einen neuen Tiefstand gefallen, so die Meldungen der Presse. Ich  finde es  traurig, dass derzeit  so viele vertraute Buchläden verschwinden und mit ihnen Orte der Begegnungen, des Gesprächs, der Buchkultur.  Nun ist Klotzsche auch davon betroffen,  den „Bücherwurm Klotzsche“ gibt es ab dem 1. Februar 2026 nicht mehr. 

Oft besuchte ich diese Buchhandlung in der Mittagspause oder nach der Arbeit, als ich noch in Klotzsche arbeitete.  Ich erinnere mich an die interessanten Diskussionen und Gespräche im Geschäft, in denen ich auch seine Geschichte erfuhr. 

Seit 1984 ist Frau Nowak, die Chefin des Geschäftes,  Buchhändlerin und hat auch als solche in verschiedenen Firmen gearbeitet. Dann wurde sie durch Strukturänderungen arbeitslos. Mit 20 Jahren Berufserfahrung fand sie es an der Zeit, einen eigenen Buchladen zu eröffnen. Da zeitgleich auch ein Geschäft in Klotzsche frei wurde, verwirklichte sie ihren Traum.  Am 15. September 2004 eröffnete sie den  „Bücherwurm“. Den Namen dachte sie sich aus, da er gut zu ihrer Leidenschaft passte. 

Aller Anfang ist schwer. Das spürte  Frau Nowak auch. Ein großes Problem nach der Eröffnung war,  erst einmal die Klotzscher von sich und dem Geschäft zu überzeugen. Ein neuer Laden muss auch entdeckt und angenommen werden. Anfangs war es oft sehr ruhig. Außerdem gingen noch viele Leute vorbei, die nicht unbedingt ein Buch brauchten. Dass sie auch ein kleines Schreibwarensortiment hatte, Kalender und Karten verkaufte, war ihnen nicht  bewusst. Dann kamen aber immer mehr Kunden, um sich von ihrem liebevoll zusammengestellten  Sortiment inspirieren zu lassen. Sie  hatten meist vorher noch keine bestimmten Wünsche. Oft besorgte die Buchhändlerin auch antiquarische Bücher, die schon lange nicht mehr lieferbar waren. Nicht alle, vor allem ältere Kunden, waren im Internet unterwegs. Zweibeinige „Klotzscher Bücherwürmer“  kommentierten diese individuelle Bücherstube wie folgt: „Man kann sich hier Zeit lassen, ungestört stöbern, Interessantes entdecken und wird gut beraten.“ Anfangs wurden noch Lesungen angeboten, später konzentrierte sich  Frau Nowak auf Veranstaltungen für Kinder und Schulklassen  anlässlich des Welttages des Buches.  Sie war mit ihrem Bücherangebot auch bei Lesungen im Gemeindehaus „Alte Post“ Klotzsche  präsent, bei Veranstaltungen im Bürgerzentrum Waldschänke Hellerau und beim Kinderfest am Gondler.  Auch wurde Frau Nowak privat gern zu Treffen oder Feiern eingeladen und bereicherte die Runde durch interessante Buchvorstellungen und Gespräche. Der „Bücherwurm“ war all die Jahre auch ein zuverlässiger Ort für den Erwerb des Klotzscher Heideblattes.

Ich erfuhr von der geplanten Schließung des Geschäftes und wollte die Gründe erfahren. So besuchte ich Frau Nowak Mitte Januar. Im Schaufenster sah man schon keine Bücher mehr, nur die Hinweise auf den Räumungsverkauf. Auch im Geschäft war die Leere unübersehbar. Auf meine Anfrage erklärte mir Frau Nowak, dass sie keine wirtschaftlichen Gründe zwingen, zu schließen, sondern eher private. Sie sei nun auch nahe der Rente und wolle nach über zwanzig Jahren mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Als Einzelkämpferin im Buchladen ist es Voraussetzung, sich gut zu organisieren, um die Öffnungszeiten abzudecken. Man müsste da schon Buchhändlerin mit „Leib und Seele“ sein, um das durchzuhalten. Frau Nowak hatte versucht,  eine geeignete Nachfolge zu finden, leider erfolglos. Die jüngeren Kandidaten, die sie ansprach, wollten sich eine solche Belastung nicht zumuten. Daher wurde nun die „Seite Bücherwurm“ nach fast einem Vierteljahrhundert umgeblättert. 

Die treue Kundschaft sowie die Redaktion des Klotzscher Heideblattes bedanken sich bei Frau Nowak für die  „Bücherwurmjahre“ und ihre leidenschaftliche Betreuung. Wir wünschen ihr alles Gute für die neu aufgeschlagene Seite in ihrem Lebensbuch!

 

                   „Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“ 

                                                                                  Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.) 

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