Hier präsentieren wir unseren Lesern mit Freude ein Interview unserer Redakteurin Beate Eilers zum diesjährigen Klotzscher Waldfest mit Manto Sillack. Dieses steht im Zeichen der Jubiläen „140 Jahre Klotzscher Bürgervereine” und „30 Jahre Klotzscher Verein e.V.”. Manto Sillack war Vorstandsmitglied des Klotzscher Vereins und Mitbegründer des Waldfestes ab dem Jahr 2011.
Beate Eilers: In diesem Jahr werden besondere Klotzscher Vereinsjubiläen gefeiert. Worum genau geht es?
Manto Sillack: In diesem Jahr feiern wir das 140-jährige Bestehen des ,,Ersten Verschönerungsvereins zu Klotzsche- Königswald”. Der Verein wurde am 28. Mai 1886 gegründet und gehört damit zu den traditionsreichen bürgerschaftlichen Initiativen unserer Region.
Eilers: Was war damals der Anlass für die Gründung des Vereins?
Sillack: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm der bürgerliche Gemeinsinn in Klotzsche stark zu. Viele Einwohner wollten ihre Umgebung aktiv mitgestalten und die landschaftlichen Besonderheiten erhalten. Daraus entstand nicht nur die Idee zu Vereinsgründungen, sondern auch daraus resultierend die Motivation, sich gemeinsam für die Verschönerung und Pflege des Ortes und seiner Umgebung einzusetzen.
Eilers: Welche Rolle spielte dabei die nahegelegene Dresdner Heide?
Sillack: Die Dresdner Heide war schon damals ein beliebtes Naherholungsgebiet. Teil des idyllischen Waldgebietes, das auch direkt an Klotzsche grenzt, sollte gezielt dem entstehenden Kurbetrieb bzw. für Erholung und Spaziergänge gestaltet werden. Aus diesen Überlegungen entstand schließlich auf Initiative des Hofstukkateurs Carl Hauer, der sogenannte Waldpark. In einem erhalten gebliebenen Brief wandte er sich 1898 deshalb an die Königliche Forstverwaltung.
Eilers: Wie wurde dieses Vorhaben umgesetzt?
Sillack: Die Mitglieder des Vereins entwickelten konkrete Pläne zur Gestaltung des Gebietes. Wege wurden angelegt, Aufenthaltsbereiche geschaffen und die Natur behutsam zugänglich gemacht. So entstand ein Ort, der Erholung und Naturerlebnis miteinander verbindet. Detailliert können Sie in der von unserem Verein herausgegebenen Broschüre „Zum Wohle von Klotzsche” nachlesen, welche demnächst aktualisiert und neu aufgelegt werden soll.
Eilers: Welche Bedeutung hatte der Waldpark für die Menschen damals?
Sillack: Der Waldpark wurde schnell zu einem wichtigen Treffpunkt für die Klotzscher Kurgäste und die Bevölkerung. Spaziergänge, Ausflüge und gemeinsame Veranstaltungen fanden dort statt. Damit wurde er zu einem Symbol für den bürgerschaftlichen Einsatz und das Gemeinschaftsgefühl in Klotzsche.
Eilers: Sie haben Veranstaltungen erwähnt. Welche Traditionen entwickelten sich daraus?
Sillack.: Besonders beliebt waren die Waldfeste, die Naturerlebnis, Geselligkeit und Kultur miteinander verbanden. Erstmals fand ein solches Fest im Jahre 1900 statt. Sie waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und stärkten den Zusammenhalt der Menschen im Ort.
Eilers: Wie ging es mit diesen Traditionen im Laufe der Zeit weiter?
Sillack: Im Laufe der Jahrzehnte gerieten die Traditionen in Vergessenheit. Doch mit der Gründung des Klotzscher Vereins am 16. Oktober 1996, wurden viele dieser Ideen und Aktivitäten wieder aufgegriffen. So auch das Waldfest, welches angeregt durch eine historische Postkarte von G. Hacaut, 2011 wiederbelebt wurde. Dabei war es auch ein Glücksfall, dass der damalige Forstbüroleiter Dieter Eckert, selbst geschichtsbegeistert, die Idee unterstützte und förderte. Rasch bildete sich im Verein eine Waldfest-Arbeitsgruppe, die es sich auf die Fahnen schrieb, das Waldfest wieder zu einem besonderen Ereignis in Klotzsche werden zu lassen. Mit Unterstützung unseres Vereinsmitgliedes Frau Simone Günther-Gommlich, Angestellte im ehemaligen Ortsamt Klotzsche (heute Stadtbezirksamt Klotzsche), die die Verbindung zu politischen Entscheidungsträgern herstellen konnte, und Verwaltungsabläufe detailliert kennt, und meiner Person, gelang es, das Waldfest wieder im Klotzscher Terminkalender zu verankern.
Eilers: Welche Ziele verfolgt der Verein heute?
Sillack: Der Klotzscher Verein knüpft bewusst an die historischen Wurzeln an. Er engagiert sich für die Pflege von Geschichte und Natur, für kulturelle Veranstaltungen, sowie für das lebendige Miteinander der Menschen in Klotzsche.
Eilers: Welche Rolle spielt das Jubiläum dabei?
Sillack: Das 140-jährige Jubiläum ist eine wunderbare Gelegenheit, auf die Geschichte zurückzublicken, und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten. Es zeigt, wie wichtig bürgerschaftliches Engagement damals war – und heute noch ist.
Eilers: Gibt es aus diesem Anlass besondere Veranstaltungen?
Sillack: Ja, ein Höhepunkt wird das diesjährige Waldfest am 20. Juni 2026 sein. Damit greifen wir bewusst die historische Tradition des Waldparks verstärkt auf und verbinden sie mit dem Fest zum besonderen Jubiläumsjahr. Hinweisen möchte ich bei dieser Gelegenheit auf einen weiteren Höhepunkt im Jubiläumsjahr: Es wird wieder einen Fotowettbewerb geben, den der Klotzscher Verein e.V. auslobt. Alle Bürgerinnen und Bürger im Dresdner Norden sind eingeladen, das Motto des Wettbewerbs: „Klotzscher Kontraste“, in der Fotografie zu interpretieren, festzuhalten und sichtbar zu machen. In dieser Ausgabe des Klotzscher Heideblattes finden Sie alle nötigen Informationen auf dem Poster und über den QR-Code.
Eilers: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher bei diesem Fest?
Sillack: Die Gäste können sich auf ein abwechslungsreiches Programm freuen – mit kulturellen Beiträgen, Begegnungen und vielen Möglichkeiten, die Geschichte und Atmosphäre des Waldparks zu erleben.
Eilers: Und wie kann man mehr darüber erfahren oder teilnehmen?
Sillack: Alle Informationen zum Programm finden sich im Flyer dieses aktuellen Klotzscher Heideblattes. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, gemeinsam mit uns dieses besondere Jubiläum zu feiern und freuen uns auf zahlreiche Gäste.
Vielen Dank an Manto Sillack!
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