Radfahren in und um Klotzsche

„Das Fahrrad ist das effizienteste Verkehrsmittel, das der Mensch je erfunden hat.“ Das sagte der Biologe David Gordon Wilson. Dass Technik dem Menschen und der Umwelt gleichermaßen dienen sollte, ist ein ebensolcher Aus- und Anspruch des aus England stammenden Wissenschaftlers. Die Engagierten der „AG nachhaltig Mobil im Dresdener Norden“ (ein Teil des „Netzwerk Dresden Nord“) sehen das genauso und würden darüber hinaus weitere Vorteile ergänzen. So ist Radfahren äußerst sozial. Ein Fahrrad ist in unserer Zeit für jeden preislich erschwinglich und 92–95 % der Bevölkerung sind physisch und kognitiv in der Lage, ein Fahrrad zu nutzen. Dazu emittiert es keinerlei Abgase und damit auch kein CO₂. Außerdem ist Radfahren gesund! … Doch ist es das tatsächlich? Ja, es bringt den Kreislauf in Schwung, sorgt für körperliche Fitness, und es ist einfach schön, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Aber warum fahren Eltern ihre Kinder zur Schule – und nehmen dabei bewusst oder unbewusst sogar die Gefährdung Dritter in Kauf? Warum meiden Menschen bestimmte Routen mit dem Rad? Nun, man möchte seine Kinder sicher in der Schule wissen. Erhöhter Puls nach knappen Überholmanövern durch Autos oder die ständige Angst, irgendetwas noch Schlimmeres könnte passieren, sind nichts Gesundes.

Als das Fahrrad gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Transportmittel für jedermann und jedefrau wurde, startete auch das Engagement der Radfahrer für eine Verbesserung der Straßenqualität. Man wollte zügig, sicher und ohne Blessuren an sein Ziel kommen. Unmittelbar auf den Siegeszug des Fahrrades erfolgte aber jener des Automobils, und da die meisten Menschen Bequemlichkeit bevorzugen, erfüllte sich der Wunsch nach guten Straßen vorerst v. a. für den motorisierten Verkehr.

Die Mission der Radfahrenden nach sicheren Wegen mit gleichzeitig gut befahrbarer Oberfläche hat sich in Dresden und damit auch im Dresdner Norden leider noch lange nicht erfüllt. Die Stadt Dresden hat im Jahre 2017 ein Radverkehrskonzept beschlossen, an das sich seitdem viele Hoffnungen knüpfen. Dieses soll ein Netz von Haupt- und Nebenrouten über den gesamten Stadtraum erschließen. Das Radverkehrskonzept ist online im Themenstadtplan der Stadt Dresden einzusehen. Hier finden sich auch gute Konzepte für den Dresdner Norden. Das Radverkehrskonzept sollte bis Ende 2025 umgesetzt sein. Laut einer Erfassung der umgesetzten Maßnahmen durch den ADFC Dresden, einzusehen unter www.radwatch-dresden.de, sind davon bisher leider nur 23 % realisiert. 

So sind insbesondere hervorzuheben die geplante Optimierung der beiden Hauptrouten in den Norden via Radeburger Straße und Königsbrücker Straße und eine Ertüchtigung der Routen über den Heller. Zum einen entlang des Hellerwanderweges und zum anderen entlang des Augustusweges. Letzterer auch als Verbindung in Richtung Radebeul. Außerdem der landschaftlich reizvolle Weg entlang der Prießnitz.

Die „AG nachhaltig mobil“ machte 2022 auf der Königsbrücker Straße zwischen Industriegelände und Stauffenbergallee mittels einer Demo in Form eines „temporären Radweges“, auf dem mit Warnbaken ein Radweg abgesteckt wurde, auf die nicht vorhandene Radinfrastruktur aufmerksam. Mehrere Unfallschwerpunkte hatten sich in diesem Bereich aneinandergereiht. Nach guten Gesprächen innerhalb der „Dialogrunde Rad“, die Baubürgermeister Stephan Kühn und die Radverkehrsplanung regelmäßig mit radinteressierten Gruppen durchführen, und einem Vor-Ort-Termin wurde die jetzige Radwegeführung 2024 umgesetzt. 

Nach einer Fahrraddemo und einiger Kommunikation mit den Radverkehrsplanern wurden 2022 entlang der Karl-Marx-Straße breite Radschutzstreifen angelegt. Diese sorgen nun für den tatsächlichen Schutz von Radfahrenden, insbesondere für Schüler und Schülerinnen der anliegenden Schulen.

Die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO) besagt seit 2009, dass die Verkehrssicherheit VOR der Flüssigkeit des Verkehrs geht. Dennoch sind immer wieder Demonstrationen und Schreiben an die Handelnden bei der Stadt Dresden notwendig, um Selbstverständlichkeiten einzufordern. Nicht Weniges wurde bereits in Angriff genommen, und der Fairness halber sei erwähnt, dass die wenigen (Radverkehrs-)Planer der Stadt Dresden ein begrenztes Handlungspotenzial haben. Nichtsdestotrotz ist es inakzeptabel, wenn die Sicherheit von Radfahrenden Verkehrsteilnehmern mancherorts sehenden Auges weiterhin gefährdet bleibt. 

So gilt die Aufmerksamkeit bereits seit Langem der Radeburger Straße im Bereich des sog. Pauliberges zwischen Maxim-Gorki-Straße und Stauffenbergallee. Eine Petition und mehrere Demos sind hier bereits erfolgt. Täglich fahren hier 27 000 Kfz auf drei Fahrstreifen. Radfahrer haben hier bergauf regelkonform auf der Straße zu fahren, da der linksseitige Fußweg für eine Radfreigabe zu schmal ist. Eine Zählung der „AG nachhaltig mobil“ im Oktober dieses Jahres ergab, dass 92 % der bergauf fahrenden Radfahrer trotzdem -regelwidrig- diesen Fußweg nutzen. Der Mensch möchte leben und nicht von Autos überrollt werden! Seitens der Stadt liegen Planungen für eine Verbreiterung der Straße vor. Hierfür ist jedoch ein Planfeststellungsverfahren nötig – die Stadt teilte uns im August 2025 über den Petitionsausschuss mit, dass ein Umsetzungshorizont derzeit nicht benannt werden kann. Jedoch wurde eine Untersuchung gestartet, welche die interimsweise Schaffung von Radverkehrsanlagen im Bestand prüfen soll. Dies war eine Forderung unserer Petition aus dem Jahr 2021, und unseres Erachtens ist dies die einzige kurzfristig umsetzbare Lösung. Der Platz im Straßenraum ist hierfür vorhanden. Bis zum Jahresende sollen Ergebnisse vorliegen.

  1. a. die Radeburger Straße ist eine Schlüsselmaßnahme im „Verkehrskonzept für den Wirtschafts- und Gewerbeverkehr für den Dresdner Nordraum“, das die Stadt derzeit erarbeitet und welches Ende 2025/Anfang 2026 beschlossen werden soll. Hierin sollen die den Norden betreffenden Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept und einige darüber hinausgehende Maßnahmen enthalten sein. Wir sind gespannt, mit welchem Enthusiasmus diese dann umgesetzt werden, und hoffen natürlich, dass davon möglichst viel bis zur Eröffnung der neuen ESMC Fabrik in 2027 kommt.

Radrouten durch den Prießnitzgrund oder über den Heller sind natürlich ein Traum für alle Radelnden, die die Schönheit der Natur dem Verkehrslärm vorziehen. Zudem sind sie durch weniger Interaktion mit motorisiertem Verkehr für Radler sicherer und die großen Straßen werden entlastet. Eben jene Routen sind bereits seit 2017 im Radverkehrskonzept als „Hauptrouten des Radverkehrs“ ausgewiesen. Was die Oberflächen der Wege angeht, merkt man leider nicht viel davon. Sand und Schlamm erschweren das Vorrankommen erheblich bzw. machen es unmöglich. Wir stellten die Anfrage an die Stadt, ob nicht der Bau der neuen Abwasser- und Betriebswasserleitungen über den Heller eine Steilvorlage ist, um auch die „Hauptrouten“ instand zu setzen. Die Antwort ergab, dass man planerisch derzeit andere Prioritäten setzt, die finanzielle Situation der Stadt Investitionen derzeit erschwert und in der Jungen Heide zusätzlich naturschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden müssen. Wir bleiben jedoch dran! Und wir erwarten auch nicht unbedingt Asphalt in derartigen Naturräumen. Befahrbare Wege können auch naturnah und kostengünstig hergestellt werden.

Ein letztes Thema, das erwähnt sei und uns als „AG nachhaltig mobil“ seit dem Entstehen unserer Gruppe 2019 bewegt, ist das sog. Ortsteilzentrum Klotzsche (Bereich zwischen Korolenkostraße und Arkonastraße) und der Umbau der Königsbrücker Landstraße im Rahmen des Straßenbahnausbaus für die neuen Stadtbahnwagen. Aus Gesprächen unsererseits mit der Stadt resultierten 2019/20 eine Bürgerbeteiligung und eine Anpassung der Planung. So wird es zukünftig einen durchgängigen Radweg in stadtauswärtiger Richtung entlang der Königsbrücker Straße geben. Stadteinwärts sollen die parallelen Straßen Alexander-Herzen-Straße und Kieler Straße zu einer Fahrradstraße ausgebaut werden. In Gesprächen wurde uns 2024 seitens der Planer das Jahr 2026 für die Umsetzung der Fahrradstraße (auch „Radroute Nord“ genannt) benannt. Der Umbau der Königsbrücker Landstraße ist in Abschnitte aufgeteilt worden und der Baustart zwischen Darwinstraße und Arkonastraße ist für Oktober 2027 vorgesehen.

Wer Lust verspürt, bei der AG nachhaltig mobil mitzuarbeiten, kann sich gern bei uns melden (nachhaltig-mobil@netzwerk-dresden-nord.de). Gern nehmen wir auch thematische Anregungen entgegen. 

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AG nachhaltig mobil im Dresdner Norden

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